Zurück zu den Wurzeln – Karan Mosebach zurück in Magdeburg

Ringer Karan Mosebach ist zurück beim MSV 90. Der Modellathlet wird aber nicht in der Landesliga, sondern in der Bundesliga kämpfen.

Karan Mosebach (77 kg) ist amtierender deutscher Meister.

Damit schließt sich für den 22-Jährigen ein Kreis, der vor zehn Jahren als eines der hoffnungsvollsten Ringertalente in der Magdeburger Vereinsgeschichte zunächst von der Elbestadt zur Talenteschmiede nach Frankfurt/Oder gewechselt war. Unter den Fittichen des dreifachen Weltmeisters und Olympiasiegers Maik Bullmann entwickelte sich Mosebach im dortigen Bundesleistungszentrum schnell zu einem nationalen Spitzenringer.

Nach mehreren Medaillen und Titeln bei deutschen Meisterschaften der Jugend dominierte er auch bei den Kadetten die internationale Konkurrenz und wurde mit 17 Jahren Vize-Europameister. Schon längst hatten viele Bundesligisten ein Auge auf den Griechisch-Römisch-Spezialisten geworfen.

Bundesliga als Sprungbrett

Über die Stationen Leipzig, Lübtheen und Schorndorf sammelte der Magdeburger Bundesligaerfahrung und bekam dort die Gegner, die ihn in seiner Entwicklung voranbrachten. Und so gelang Mosebach der für viele Nachwuchsathleten oftmals schwere Übergang zu den Männern. Bereits mit 19 Jahren errang er dort den Vize-Meistertitel bei den nationalen Titelkämpfen. Zwei Jahre später, im Jahr 2018, wiederholte er diesen Erfolg.

In diesem Jahr legte Mosebach noch einen drauf und ließ bei den nationalen Meisterschaften seiner Konkurrenz keine Chance und sicherte sich zum ersten Mal den Titel bei den Männern.

Schnell ein Publikumsliebling

Dass es den Modellathleten, der es mit seinem offensiven Kampfstil und seinen spektakulären Wurftechniken bei jedem Verein schnell zum Publikumsliebling brachte, nun wieder zurück an die Elbe zieht, hat einfache und verständliche Gründe. Denn im Herzen blieb er trotz der vielen Jahre in Frankfurt, wo er auch sein Abitur ablegte, Magdeburger. Der Wechsel zurück ist eine Entscheidung für seine alte Heimat, wo er sich auch beruflich seine Zukunft aufbauen möchte. Mosebach: „Ich möchte die Polizei-Laufbahn einschlagen und das nicht irgendwo, sondern hier in Sachsen-Anhalt. Hier habe ich meine Wurzeln und hier möchte ich irgendwann nach meiner Sportkarriere leben und arbeiten.“

An ein Ende seiner sportlichen Karriere denkt Mosebach aber noch lange nicht. Solange es geht, will er auf höchstem Niveau ringen. „Wir schauen mal, was am Ende rauskommt. Natürlich ist der ganz große Traum immer der von einem internationalen Titel oder einer Olympiateilnahme. Wenn ich weiter hart trainiere und hoffentlich verletzungsfrei bleibe, dann sind zumindest die Weichen gestellt, diesen Traum vielleicht auch leben zu können.“

Das funktioniert auch als Magdeburger, wo er beim Magdeburger SV 90 hauptsächlich schweißtreibende Kraft- und Ausdauereinheiten schrubben wird. Da die Trainingspartner in Magdeburg jedoch vom sportlichen Niveau nicht mit jenen vom Olympiastützpunkt in Frankfurt zu vergleichen sind, wird Mosebach neben den Trainingslehrgängen der Nationalmannschaft weiterhin zu besonderen Techniktrainings und für Trainingswettkämpfe zu diversen Leistungszen-tren pendeln.

Dafür weiß er mit seinen alten Magdeburger Weggefährten um Abteilungsleiter Mario Pobloth und auch seinem Entdecker Uwe Döschner viele Unterstützer beim MSV 90 hinter sich.

Start im Landesliga-Team des MSV 90 kein Them

Jedoch wird Modellathlet Mosebach in der Landesliga nicht für den MSV 90 ringen. Trainer Thomas Dybiona: „In unserer Landesliga würde Karan in seiner Gewichtsklasse jeden in Grund und Boden kämpfen, das wäre zwar für den MSV 90 wunderbar, aber sportlich weiterentwickeln würde er sich so nicht. Karan gehört in die Bundesliga, denn hier warten internationale Hochkaräter als Gegner. Die braucht er.“

Die Farben Magdeburgs wird der junge Ringer hingegen bei allen nationalen Einzelwettkämpfen vertreten, denn im Ringen sind die Startrechte für Einzelturniere und das Mannschaftsringen trennbar. Davon macht der Magdeburger Gebrauch und hat sich in diesem Jahr dem Erstligisten RV Lübtheen angeschlossen.

Und damit nicht genug. Da sich der Deutsche Ringerbund vor drei Jahren mit einigen ehemaligen Bundesligisten überworfen hatte und diese kurzerhand eine eigene Liga, die Deutsche Ringerliga (DRL), gegründet haben, nutzt Mosebach die Existenz von zwei hochklassigen Ligen für sich und startet zusätzlich in der DRL noch für den KAV Eisleben. Aufgrund der aktuellen Finanzkraft der DRL geben sich hier Medaillengewinner bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften ein Stelldichein.

Bericht: Michael Kraska

Comments are closed